nach nun 2 Wochen mit gelegentlichem Internetzugang habe ich nun einmal die Zeit, die Ruhe und eben auch das Internet, um Euch ein wenig zu berichten, was ich auf meiner Reise allein durch dieses Land bisher so erlebt habe.
Am 4.01. verabschiedete ich mich abends um 11 Uhr von Flos Eltern, Fabio und Ednalva, sowie von Flo selbst, dem ich auf diesem Wege noch einmal herzlich dafür danken möchte, mir dieses halbe Jahr in Sao Paulo zu einer wahren Freude gemacht zu haben - Du bist mir ein wahrer Freund geworden!
| Das letzte Foto von Florian D. M. A. J. Deitermann & Wolfgang G. F. C. J. Mauer |
Ich muss zugeben, die 2 Wochen vor diesem Tag waren manchmal gefüllt von ordentlichen Zweifeln und ziemlicher Angst, ob der Tatsache ab diesem Moment auf mich allein gestellt zu sein. Doch als ich den Bus bestieg war dieses Gefühl verflogen und wich einer inneren Überzeugung auf dem richtigen Weg zu sein.
In Salvador angekommen bezog ich mein Hostel direkt am Meer, um mich dann nach einem Frühstück noch einmal für ein paar Stunden aufs Ohr zu legen. Die kommenden 3 Tage waren geprägt von Kultur, Bummeln (oder auch Flanieren:)), Lesen und Entspannen. Ich habe es sehr genossen alleine durch die Straßen der historischen Innenstadt "Pelourinho" zu schlendern, Museen und Kirchen zu besichtigen und das alles in Ruhe auf mich wirken zu lassen. Für mich persönlich war das absolute Highlight das "MAM-Museum de Arte Moderno". Weniger wegen der Ausstellung (Rubem Valemtim - Afrikanische Kunst), sondern wegen der atemberaubenden Location:
Der Eingang auf das Gelände. Die Hauptausstellung ist dort unten in dem Gebäude untergebracht. Unter der Ausstellung, im Keller, befindet sich ein herrliches Café mit Steg und Blick aufs Meer.
Blick aus einem Fenster des Hauptausstellungsraums. Direkt darunter, das Café.
Neben den ständig wechselnden Ausstellungen verfügt das MAM auch noch über einen kleines Parkgelände (mit Ministrand, klarstem Wasser, für jedermann offen, allerdings kaum wahrgenommen) mit Skulpturen. Dieses Foto zeigt Haupt- und ein Nebengebäude des MAMs.
Weitere Highlights dieser ehemaligen Kolonialstadt:
Blick von Pelourinho auf die "Unterstadt" und Meer. Salvador ist aufgeteilt in eine sogenannte Unter- und Oberstadt. Dieser natürlich Wall bot der Bevölkerung der Oberstadt in früheren Zeiten als Schutz gegen Angriffe und nicht erwünschte Besuche..
Eine der vielen schönen Plätze der Innenstadt. In meinem Rücken befindet sich das Stadtmueseum und das Museum von Jorge Amado, einem der bedeutensten Schriftsteller der brasilianischen Literatur (Samille hat mir ein Buch geschenkt, welches ich hoffe, in den nächsten Monaten (ganz schöner Brocken!!, selbstredend nicht auf deutsch:)) durchzulesen).
Die Innenstadt ist allgemein sehr bunt und laut. Jedes Haus hat seine eigenen Farben, aus jeder Ecke hört man Trommeln und Gesänge. Es ist eine sehr sehr schöne Atmosphäre, leider -natürlich- ein wenig sehr auf den Tourismus ausgerichtet (jeder Laden verkauft die selben Sachen, etc. pp.).
"In Salvador kam der größte Teil der rund fünf Millionen Afrikaner an, die von den Portugiesen aus Westafrika in die Sklaverei verschleppt wurden. Sie wurden auf dem zentralen Sklavenmarkt Salvadors, dem Pelourinho (deutsch: Pranger) verkauft. Der Pelourinho war Teil des historischen Sklavenmarktes in Salvador." Quelle: wikipedia
Das erste Regierungsgebäude Brasiliens.
Salvador de Bahia war bis 1763 Brasiliens Hauptstadt.
"Salvadors erste Blüte endete, als die Stadt 1763 ihre Rolle als Hauptstadt Brasiliens an Rio de Janeiro verlor. Bis dahin war sie koloniales Verwaltungszentrum Brasiliens." Quelle: wikipedia
"Salvador ist auf verschiedenen Ebenen einer Bergkette gebaut, welche die Stadt in eine Oberstadt (cidade alta) und in eine 70 Meter tiefer gelegene Unterstadt (cidade baixa) teilen. Um vom einen Teil in den anderen zu gelangen, kann man den Aufzug Lacerda, die Standseilbahn Plano Inclinado Gonçalves oder einfach eine der vielen Buslinien nutzen."
Quelle: wikipedia
Jeden Dienstag gibt sich die Band "Mont´Serrat" die Ehre und gibt ein kostenloses Konzert in der Innenstadt. Fröhliche Menschen, zu schöner Musik, mit einem Caipirinha oder einem Bier in der Hand.. so kann man sich einen Dienstag Abend durchaus verschönern.
Lediglich der exzessive Verzehr von grünen Kräutern in weißen Blättchen könnte ein wenig zurückgeschraubt werden... :)
Ach, ich vergaß beinahe, meine ersten Surfversuche hab ich auch hinter mich gebracht.. ausbaufähig!:)
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Von Salvador ging es dann zu den Chapadas Diamantinhas, genauer gesagt in ein kleines Dorf inmitten dieses Nationalparks: Vale do Capao. Allerdings verzögerte sich die Reise dorthin um 2 Tage, da ich aufgrund des Verlustes meiner Kreditkarte (geklaut oder verloren, man weiß es nicht) noch ein wenig länger in Salvador festhing. Vielen Dank hierbei nochmal an Nils, mein Nachfolger in Argentinien, der mich 4 Tage lang auf seinem Sofa ertrug und mir gerade mit dieser Kreditkartengeschichte aus der Patsche geholfen hat. Ich hab die Zeit sehr genossen!!
Nach Vale do Capao nahm ich zunächst einen Bus nach Palmeiras, einer etwas größeren Stadt in den Chapadas Diamantinhas. Von dort aus begann es dann abenteuerisch zu werden. Etwa 10 Personen zwängten sich in einen kleinen Jeep und die etwa 1 stündige Reise durch dschungelartiges Waldgebiet konnte beginnen. Dort angekommen, es war mittlerweile 11 Uhr abends, fühlte ich mich doch ein wenig als Außenseiter. Vale do Capao ist so ungefähr das alternativste kleine Örtchen, das es auf dieser Welt wohl gibt. Bunte Häuser, bunte Menschen, Threadlooks wohin das Auge reicht.. auf jeden Fall amüsant, fiel ich doch mit meinem kürzlich geschorenen Haupthaar, meinen Adidas Laufschuhen, der BocaJuniors Short und dem Fußballtrikot so gar nicht in diese Kategorie. Aber ich hatte gar keine Zeit mir darüber Gedanken zu machen, galt es doch, einen Schlafplatz ausfindig zu machen. Nach einigen Konsultationen wurde mir ein Weg aus dem Dorf hinaus gewiesen, den ich etwa 5 Minuten lang gehen sollten, rechter Hand fände ich dann das gewollte Dach über dem Kopf. Nach 10 Minuten fand ich den besagten Ort, der allerdings ausgebucht war. "5 min weiter findest Du einen weiteren Ort". Meine gute Stimmung ließ sich auch davon nicht beeinträchtigen, allerdings wurde die "Straßenbeleuchtung" nach und nach weniger, sodass ich mich plötzlich auf einem Weg in den Wäldern Brasiliens mit einem Rucksack und einer Tasche über der Schulter wiederfand, die in diesen Tagen mein komplettes Besitztum darstellen. Ich bekam es mit der Angst zu tun und war kurz darauf umzudrehen, schließlich waren aus den weiteren 5 min schon 15 geworden. Schon fast umgedreht erhaschte ich etwa 100m vor mir einen Schatten, der einen Koffer hinter sich herzuziehen schien..Da dachte ich mir, na wenn der das packt, dann wirst Du da wohl auch noch den Mut dazu haben - ich wurde belohnt und lag eine halbe Stunde später in meinem Bett, in den Wäldern Brasiliens.
Die kommenden 2 Tage sind wesentlich besser in Bilder, als in Worten zu beschreiben:
Vale do Capao..
Hauptstraße und Dorfzentrum!
Klein, aber fein. Bunt, fröhlich, schön!
L:Rio Preto, ein Paradies zum entspannen und ein Naturbad zu nehmen. O: Alace, der Guia unserer Gruppe, toller Kerl!
| Nice... |
| Da hinter mir gehts übrigens 90 Grad 350 Meter bergab.. Nervenkitzel!! |
| Blick über dem Wasserfall. Wasserstand niedrig, daher erreicht er nicht mal den Boden. |
| Meine kleine Wandergruppe: Martin und My aus Schweden. Peter aus der Slowakei und seine Freundin aus Rio (Namen entgangen) |
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Von Vale do Capao ging es dann nach Aracajú. Aracajú ist eine kleine Stadt an der Küste Brasiliens. dort wohnt Fernanda, eine Freundin, die Flo und ich über eine andere Freundin aus Itabuna an Sylvester kennengelernt hatten und bei der ich für 3 Nächte unterkommen konnte.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich etwas erwähnen: Brasilien ist kein Land für Vegetarier, oder solche, wie mich, die nicht gerne Fleisch essen, von dem sie nicht wissen, woher dieses stammt. Da ich in den letzten Monaten diese Überzeugung ziemlich außer Acht gelassen habe und so ziemlich alles gegessen habe, was mir über den Weg gelaufen ist, habe ich mir für dieses Jahr, für diese Reise alleine, für meine Zukunft fest vorgenommen, dies nicht mehr zuzulassen und ein wenig mehr Rückrat zu haben. Also habe ich mir eine Liste gemacht, in der ich nun immer aufschreibe, wenn ich mal "sündigen" sollte.. auf dieser Seite der Erde ist es eigtl. IMMER eine Sünde Fleisch zu essen, schließlich weiß ich nie, woher es denn kommt. Da ich aber, wie die meisten von Euch wissen, recht ehrgeizig sein kann, habe ich bisher noch keinerlei Probleme gehabt, dies durchzuhalten. Es kann doch dann aber recht ärgerlich sein, kommt man in Aracajú nach studenlanger Reise an und möchte etwas essen, und die Bäckerei hat bei 25 Gebäckstücken lediglich EIN EINZIGES ohne Fleisch anzubieten, und das schmeckt dann auch noch bescheiden.. Ich sag Euch, nicht einfach manchmal!:)
In Aracajú hatte ich dann 3 schöne, ruhige Tage mit Fernanda und ihren Freunden. Auch hier wieder, die Highlights in Bildern:
Direkt am Samstag, an dem ich in Aracajú ankam, hatte ich die Ehre auf eine sogenannte "Festa de Formatura" mitzugehen. Eine Freundin von Fernanda (auf diesem Bild nicht zu sehen) hat ihr Studium der Odontologie abgeschlossen und mit Ihren Kommolitonen zu einer aufwendigen und großen Feier eingeladen. Die Klamotten hat mir freundlicherweise, ohne sein Mitwissen, der Vater von Fernanda geliehen. :)
Es war ein sehr lustiger Abend im Stile einer Abiabschlussparty. Da beinahe jeder zu viel Alkohol konsumierte und in Folge dessen jeder auf seine Art
die Nerven verlor, hatte ich, als neuerdings zurückhaltender Genießer !, die Ehre, die ein oder andere Träne zu trocknen (schließlich hatte ja sie mit ihm rumgemacht, obwohl ihre Freundin vor Monaten mal mit ihm rumgemacht hat, und und und...)
Ich hab es sehr genossen und die Alkoholleichen am Ende dann nach Haus gefahren!
Oben: Ein Großteil von Fernandas Freunden.
Mitte: Ich mit FernandaUnten: Ich mit Nicolas
| Brücke über den Rio Sergipe, gleichnamig mit dem Bundesstaat, in dem Aracajú die Hauptstadt ist. |
| Zahlt man in Sao Paulo noch 5-7 Reais für ein 600ml Brahma, kann man sich in diesem Teil des Landes gleich 3 für diesen Preis kaufen.. |
| Ich genieße es sichtlich, dass dieses Land wesentlich mehr zu bieten hat, als herrliche Strände.. |
So meine Lieben,
ich befinde mich mittlerweile in Maceió, wo ich bei Luciana (Couchsurfing) untergekommen bin. Eigentlich hatte ich heute einen super Tagesplan, den sie mit mir ausgetüftelt hatte, aber da ich seit gestern Kopfschmerzen habe, werde ich das alles morgen machen. So hatte ich nun auch endlich mal wieder Zeit, Euch zu schreiben.
Ich möchte mich auf diesem Wege bei Buzzi und Anette Döhr für Ihre Spenden bedanken. Ich bin sehr froh, dass ich wenigstens einige Menschen dazu bewegen kann, etwas für dieses Projekt zu geben. Ich bin nun noch einen Monat auf Reisen und dann kehre ich für ein paar Tage nach Sao Paulo zurück und werde die Spenden im Projekt abgeben. Jeder der also noch ein paar Euro über hat, ist also herzlich dazu eingeladen, diese für eine gute, wirklich gute Sache zu spenden.
Wolfgang Mauer
Kontonummer: 1542927
Blz: 50070024
Betreff: UTPMP Spende
Vielen lieben Dank für Euer Interesse!!
Es drückt Euch
Wolfgang









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